Kontrollstelle Landau an der Isar
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aus Landauer Zeitung vom 14.08.2009
Die schnellsten Randonneure mit dem Helferteam des Turnvereins.
Die Randonneure lobten die Landauer Kontrollstelle in der Dreifachsporthalle für ihre „aufopfernde" Gastfreundschaft
TV kontrollierte „Radwanderer" auf 1200 km Tour
Landau Unbemerkt und unspektakulär machten am Dienstag und Mittwoch 81 besondere Radsportler beim Turnverein Landau Halt. Es waren Teilnehmer der Veranstaltung „Große Bayern Rundfahrt" die aus Anlass des 10jährigen Bestehens der Organisation „Audax Randonneurs Allemagne (ARA)" in den Landauer Dreifachsporthalle Station machten. Die ARA sind ein „non-for-profit"-Zusammenschluss von „Radwandereren", in Frankreich Randonneurs genannt, die die klassische Fernfahrt Paris-Brest-Paris mehrfach gefinisht haben und sich als regionale Organisation in Deutschland seit 1992 betätigen, so wie ARA - Nordbayern / Fränkische Alb, dem Ausrichter der erstmals ausgerichteten „Großen Bayern Rundfahrt".
Karl Weimann, Organisator der Rundfahrt, wollte „die Mutter" aller Langstrecken-Prüfungen, Paris-Brest-Paris, bestehend seit 1891, also schon lange vor Beginn der Tour de France, dieses Jahr in Deutschland, in Bayern „kopieren". So wie viele Teilnehmer bei der Ankunft in Landau meinten, sei dem „Karl" das mehr als gelungen. „Hier bin ich beim härtesten „Randonneur" der bislang durchgeführt wurde", meinten nicht wenige der erfahrenen Teilnehmer.
Teilnahmevoraussetzung war eine Qualifikation im Jahre 2009 über 200km, 300km, 400 km und 600 km. Maximal 200 Randonneure/innen waren zugelassen. Nach den harten Regeln müssen die Teilnehmer auf sich alleine gestellt, Begleitung und Begleitfahrzeuge führen zur Disqualifikation, mit Hilfe eines Streckenplans die vorgeschriebene Strecke und die jeweiligen Kontrollposten in einem vorgegebenen Zeitfenster passieren. Hauptziel so eines 1200 km Brevet ist es, dies in 90 Stunden abzufahren.
Gestartet wurde der „Brevet 1200 km" in Osterdorf bei Pappenheim. Nach Wertingen (83 km), Illertal (170 km), Roßhaupten (275 km), Bad Tölz (403 km), Untewössen (527 km) Waging am See (585 km) war Landau die 7. Kontrollstelle bei 699 km.
Die erste Viermanngruppe traf am Dienstag um 16.30 Uhr an der Dreifachsporthalle ein. 30:30 Stunden waren diese Schnellsten bis dahin auf dem Rad. Das waren ca. 27 km/Std. Nettozeit, bei Abzug der kurzen Verweilzeiten an den genannten Verpflegungs- und Kontrollstellen. Die ganze Nacht lang kamen dann, meist alleine, nach und nach Teilnehmer an der Dreifachsporthalle an. Fast ausnahmslos wurde die Etappe von Waging nach Landau als unerwartet schwierig eingestuft, was Orientierung in der Nacht und sehr kupiertes Gelände anbelangte. Müde, abgekämpft, ja fertig waren viele der Ankommenden. Gerne und sehr erfreut ließen sie sich von den bewährten Helferinnen des Turnvereins am Verpflegungsbüffet kulinarisch verwöhnen. Ca. 20 Teilnehmer mussten mehr ober weniger das Schlaflager in der Sporthalle aufsuchen, wenn auch nicht selten nur für 3-4 Stunden, andere fuhren nachts nach der Versorgung 81 km weiter nach Willmering bei Cham.
Zwischen 3 Uhr und 6 Uhr am Mittwoch war für das Kontroll-Team des Turnvereins unter Leitung von Triathlonabteilungsleiter Dieter Bartl Stress angesagt, die ankommenden und abfahrenden Randonneure schnell und ausgiebig „abzufertigen". Drei Frauen waren auch on Tour. Vollkommen neue Erfahrungen und Eindrücke und Erlebnisse rund um den Radsport waren das, was den TV-Helfern in den ca. 20 Stunden in und an der Dreifachsporthalle geboten wurde: technisch „altmodisches und exotisches Material", unterschiedlichste Radler-Charaktere, Japaner, Amerikaner, Italiener, Bulgaren die äußerst schwer mit den deutsch-bayerischen Gegebenheiten kämpften, Liegeradfahrer, Räder mit nur einem Kettenritzel und dann auch noch starrer Freilaufnabe, so wie bei Bahnfahreren üblich.
Die letzten Teilnehmer verließen Landau am Mittwoch gegen 12:40, darunter auch der Organisator, Karl Weimann, der mit dieser Langstreckenfahrt in Deutschland sicher ein Novum schaffte. Nach Willmering/Cham (781 km) mussten die 81 Teilnehmer noch Vohenstrauß (850 km), Kulmain (947 km), Thurnau (1031 km) und Kempes (1148 km) passieren, um schließlich in Osterdorf nach 1200 km das Ziel zu erreichen. Schade, dass dieses außergewöhnliche Radspektakel in Landau, aber auch andernorts so abseits und beinahe verborgen ablief, denn Radfahren kann noch mehr sein, als bislang hier in Landau so darunter verstanden wird, und die Landauer kennen mindestens alles rund um den Triathlon. „Brevet 1200 km", Paris-Brest-Paris, vielleicht ist das ein neuer Anreiz.
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